Venedig lernt man erst richtig kennen, wenn man die Boote links liegen lässt und einfach losläuft. Genau das haben wir an Tag 2 auch getan: Wir haben das faszinierende Labyrinth von Castello erkundet, ein jahrhundertealtes Geheimnis gelüftet und uns ein sündhaft teures Frühstück gegönnt. Komm mit auf einen Streifzug voller Kontraste, tiefschwarzer Nudeln und zu den Inspirationen von zwei wunderbaren Persönlichkeiten, die dieses besondere Italien-Gefühl auch zu Hause wachhalten.

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Nach all den wunderbaren Eindrücken unseres ersten Tages (hier geht’s zu Teil 1), hieß es auch an Tag zwei: rein in die bequemen Schuhe. Wir sind unserem wichtigsten Reise-Prinzip treu geblieben: möglichst laufen, sich am Außenrand bewegen, kein Vaporetto und vor allem – keine Eile.

Ich mag diese Art des Reisens inzwischen fast mehr als jedes klassische Sightseeing. Einfach loslaufen, schauen, stehen bleiben, spontan in eine schmale Gasse abbiegen, wieder umdrehen. Venedig ist wie dafür gemacht, auch wenn man sich dabei mehr als einmal in einem wunderschönen, kleinen Labyrinth wiederfindet.

Der perfekte Einstieg abseits der Masse

Dieses Mal verließen wir den Bahnhof in Mestre und direkt danach den Bahnhof Santa Lucia in Venedig über den rechten Ausgang, um einen neuen Weg auszuprobieren. Wir überquerten die moderne Ponte della Costituzione und bogen direkt dahinter links über die Ponte del Monastero am Rio Novo ab. Ein wunderbarer Einstieg, um sofort tief in Venedig einzutauchen.

Wir kamen am lebendigen Campo Santa Margherita vorbei, schlenderten an schwimmenden Marktständen entlang und beobachteten Alltagsszenen, die ich persönlich viel spannender finde als manche perfekt fotografierte Palastfassade.

Boote statt Lieferwagen
Venedig im Alltag
Campo Santa Margherita
Ponte dell’Accademia

Ein kleiner Ortstipp am Rande: Als wir später über die Ponte dell’Accademia den Canal Grande überquerten, entdeckten wir das Moro Café im Palazzo Franchetti. Es ist wunderschön gestaltet und genau der richtige Ort, wenn du etwas Zeit mitbringst und eine entspannte Pause einlegen willst.

Wir selbst hatten an diesem Morgen jedoch ein ganz festes Ziel vor Augen: Wir wollten den Markusplatz komplett zu Fuß erreichen.

Canal Grande
Moro Café
Markusplatz

Caffè Florian: Schön, berühmt und brutal teuer

Nun, wir waren also auch mal dort. Das war dann unser ganz persönliches, dekadentes Frühstück. Und kalorientechnisch hatten wir uns das nach all den Kilometern in den Beinen durchaus verdient: Michael hatte ein Eis, ich ein feines Stück Kuchen.

Für alles andere – insbesondere für den Kaffee – war ich ehrlich gesagt schlichtweg zu geizig. Ich meine: 12 bis 18 Euro für einen Espresso? Irgendwo hört es dann auch auf.

Aber gut. Es war eben eines dieser Dinge, die man einmal im Leben gemacht haben kann. Nicht, weil es vernünftig ist. Sondern weil es auf eine exzentrische Weise einfach zu Venedig gehört.

Castello: Wo Venedig seine Postkarten-Haut abstreift

Frisch gestärkt ging es weiter in einen Teil von Venedig, in dem ich bis dahin tatsächlich noch nie gewesen war: Castello. Das Viertel, in dem auch regelmäßig die Kunst-Biennale stattfindet. Auf das offizielle Ausstellungsgelände selbst konnten wir an diesem Tag zwar nicht, weil es abgesperrt war, aber allein die umliegende Gegend hat mich völlig überrascht. Wunderschön. Und vor allem: ganz anders als das Venedig, das die meisten Menschen im Kopf haben.

Ich kann Dir wirklich nur von Herzen empfehlen, Castello zu Fuß zu erkunden. Man vergisst streckenweise komplett, dass man in der Stadt unterwegs ist, die sonst auf den typischen Postkarten und in den klassischen Reiseführern auftaucht. Auch dort haben wir wieder unzählige Kilometer gemacht, sind ziellos durch die stillen Gassen geschlendert, haben versteckte Innenhöfe entdeckt und mussten mehr als einmal umkehren, weil plötzlich ein Kanal ohne Brücke den Weg versperrte.

Manche Eindrücke lassen sich in Worten erzählen und manche versteht man sofort, wenn man sie sieht. Deshalb habe ich zu diesem Beitrag auch ein kurzes Reel auf Instagram erstellt, in dem ich Dich noch einmal mit nach Venedig nehme. Hier kannst Du Dir das Reel ansehen: [Reel auf Instagram öffnen]

Noch ein kleiner Hinweis: Wenn Du unsere Reise nicht nur lesen, sondern auch ein bisschen miterleben möchtest, findest Du dazu ein Reel auf meinem Instagram-Kanal. Dort habe ich einige Eindrücke festgehalten, die die Stimmung vor Ort noch einmal ganz anders transportieren.

San Pietro di Castello: Eine Pause mit verborgener Geschichte

Unterwegs kamen wir an San Pietro di Castello vorbei. Wir sind in die Kirche hineingegangen und haben uns dort erst einmal ausgeruht. Diese Kirche war bis zum Jahr 1807 die eigentliche Kathedrale von Venedig und birgt eine historische Besonderheit, die mich absolut fasziniert hat: die sogenannte Kathedra des Heiligen Petrus (Kathedra Petri).

Dieser steinerne Bischofsstuhl soll ein Geschenk aus Konstantinopel gewesen sein. Das absolut Verrückte daran ist, dass die Rückenlehne in Wahrheit aus einer antiken islamischen Grabstele besteht, in die arabische Verzierungen und kufische Koranverse eingemeißelt sind!

Genau solche tiefgründigen, geschichtlichen Verflechtungen liebe ich auf Reisen. Hättest Du es gewusst?

Unscheinbar auf den ersten Blick und doch ein Ort mit Gewicht: San Pietro di Castello war lange das religiöse Zentrum Venedigs, bevor San Marco zur offiziellen Kathedrale wurde.

Zwischen schwimmenden Rettungswagen und Bootstankstellen

Gegen Ende des Tages sind wir wieder ganz bewusst den anschwellenden Menschenströmen ausgewichen und eher am äußeren Rand der Stadt entlanggelaufen. In der sanften Abenddämmerung kamen wir zum ersten Mal am großen Krankenhaus von Venedig vorbei.

Davor dümpeln im Wasser tatsächlich schwimmende Rettungswagen (Idroambulanze). Allein das ist schon wieder so ein typischer Venedig-Moment: für uns Außenstehende völlig absurd, für die Lagune die einzig logische Konsequenz.

Und ganz am Ende dieses Weges sieht man dann plötzlich eine Tankstelle für Boote. Das ist der Punkt, an dem man begreift, dass diese Stadt echt ist und nicht einfach nur eine schöne Kulisse. Sie ist in ihrer ganzen Organisation und Infrastruktur komplett eigen.

Gegenüber vom Krankenhaus liegt San Michele, die Friedhofsinsel von Venedig. Ein etwas makabrer Gedanke und doch passt es zu dieser Stadt, in der Schönheit, Alltag und Vergänglichkeit so nah beieinanderliegen.

Abendessen im Aki Restaurant – schwarze Lippen inklusive

Zurück ging es schließlich Richtung Bahnhof und später noch einmal in das Hochhaus mit der Rooftopbar in Mestre, in dem wir schon am Vorabend einen Absacker getrunken hatten. Diesmal aber nicht nur für die fantastischen Cocktails, sondern zum Abendessen im Aki Restaurant.

Dort habe ich mir seit Langem mal wieder Jakobsmuscheln gegönnt und danach hausgemachte Nudeln mit tiefschwarzer Tintenfischsauce bestellt.

Ja, meine Lippen waren danach komplett schwarz. Ja, Michael hat sich den ganzen Abend köstlich darüber amüsiert. Und ja: Es war mir absolut egal. Es hat fantastisch geschmeckt!

Abreise mit Bahnhofskontrolle und einer kleinen Wellness-Rettung

Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von der Lagunenstadt. Die erste kleine Aufregung erwartete uns noch direkt am Bahnhof in Mestre: Während wir gemütlich auf den Bänken auf unseren Italo-Zug warteten, wurden wir plötzlich von der Polizei kontrolliert. Wobei man fairerweise sagen muss: nicht nur wir, sondern stichprobenartig der halbe Bahnsteig. Die Polizisten waren ausgesprochen höflich und nett.

Sobald wir saßen, ging es mit dem komfortablen Italo-Zug Richtung Mailand. Ich war während der Fahrt noch einmal komplett vertieft in mein Venedig-Buch. Wer viel reist und unterwegs jede freie Minute zum Lesen nutzt, kennt das: Die Luft im Zug (oder Flugzeug) ist trocken, die Augen werden irgendwann schwer und müde.

Genau für diese Momente habe ich auf Reisen immer meine geliebten Augenpads [Affiliate-Link] dabei. Ich klebe sie mir einfach kurz auf – sie kühlen sofort, spenden intensiv Feuchtigkeit und sind meine kleine Wellness-Rettung für unterwegs.

Die Weiterreise hatte überhaupt etwas wunderbar Italienisches. Selbst die Schaffner bei Italo waren so elegant und stilvoll gekleidet, dass ich es schon wieder herrlich fand.

Entspannt zum Flughafen Linate

In Mailand angekommen, stand der Transfer zum Flughafen Linate an. Von dort war ich vorher noch nie geflogen (bei uns bucht eben Michael immer alles).

Linate ist wirklich großartig erreichbar: Mailand hat die Metro-Linie M4 (die blaue Linie), die den Flughafen in gerade einmal 12 Minuten direkt mit dem Stadtzentrum (Station San Babila) verbindet. Da wir vom Hauptbahnhof (Milano Centrale) kamen, haben wir eine unkomplizierte Kombination genutzt:

  • Erst mit der Tram (Linie 9) bis zur Piazza Tricolore.

  • Von dort aus direkt weiter mit der blauen M4 zum Flughafen.

Das Ganze dauert insgesamt etwa 30 Minuten, kostet nur ein ganz normales ÖPNV-Ticket und ist super entspannt. Linate selbst ist modern, übersichtlich und wirklich angenehm. Vor dem Abflug haben wir noch die Zeit in der Leonardo Exclusive Lounge verbracht – eine absolute Empfehlung für jeden Reisenden!

Auszeiten & Leselust: Inspirationen für den Italien-Alltag zu Hause

Dass ich auf der Zugfahrt so tief in mein Buch [Affiliate-Link] eintauchen konnte, hat in mir direkt das Bedürfnis geweckt, dieses besondere Lebensgefühl auch zu Hause weiterzufüttern. Wenn Du Dein Fernweh stillen oder Dich auf Deine nächste Auszeit vorbereiten willst – abseits von den typischen Hochglanz-Reiseführern –, möchte ich Dir heute zwei großartige Persönlichkeiten ans Herz legen:

  • Stefan Maiwald: Ich liebe seinen stimmungsvollen Podcast Radio Adria, seinen wunderbaren Blog und vor allem die dazugehörige wöchentliche Newsletter-Kolumne „Mediterrane Wochenschau“ auf www.postausitalien.com. Bei ihm geht es um das echte, unverfälschte italienische Lebensgefühl. Sein brandneues Buch „Espresso unter Sternen“ liegt schon bei mir [Affiliate-Link] auf dem Nachttisch – pure Vorfreude!

  • Petra Reski: Wer noch tiefer in das echte, ungeschönte Venedig eintauchen möchte, kommt an ihr nicht vorbei. Sie lebt seit Jahrzehnten in der Lagunenstadt und berichtet in ihrem Blog „Reskis Republik“ direkt aus dem Epizentrum. Sie schreibt mit scharfem, liebevollem Blick über den echten Alltag der Venezianer, die bürokratischen Herausforderungen und liefert echte Insider-Tipps. Kürzlich hat sie dort ein neues Restaurant vorgestellt, in dem man sogar direkt mit dem eigenen Boot am Steg anlegen kann. Ich habe es Dir unten direkt auf der Google-Maps-Liste verlinkt.

 

Mein Fazit: Venedig mit anderen Augen sehen

Dieser vierte Venedig-Trip war für mich persönlich vielleicht nicht der spektakulärste, aber mit Abstand der interessanteste.

Weil ich die Stadt und Ihre Menschen einfach mal “gesehen” habe. Nicht nur als historische Kulisse, sondern als einen echten, pulsierenden Ort mit hartem Alltag, faszinierenden Eigenheiten und einem ganz eigenen, entschleunigten Rhythmus. Und genau deshalb war dieser Besuch so unglaublich erfüllend.

Ich kann Dir versichern, dass ich Venedig – und Italien generell – inzwischen mit ganz anderen Augen sehe, seit ich Stefan Maiwald und Petra Reski folge. Ihre Geschichten und Einblicke haben meine Sicht auf dieses Land und seine Städte komplett verändert. Und zwar im absolut positiven Sinn. Ich bin mir sicher: Beim nächsten Besuch werde ich mich dort gleich viel heimischer fühlen.

Manchmal braucht es einfach einen anderen Blickwinkel. Nimm diesen Impuls gerne für Deine nächste Reise mit!

Bist du bereit für deine eigene Auszeit? Zu diesem Beitrag gehört auch meine persönliche Google-Maps-Liste mit allen relevanten Stopps unserer Venedigreisen. Ideal, wenn Du nicht lange suchen möchtest, sondern unsere Route, Restaurants und ausgewählten Wohlfühlorte direkt griffbereit haben willst.