Mein vierter Venedig-Trip begann nicht mit einem Flug und auch nicht mit Hektik, sondern mit dem Nachtzug ab Stuttgart. Diesmal ging es mir nicht darum, Venedig nur zu sehen, sondern die Stadt besser zu verstehen. Nicht für ein schönes Bild, sondern für einen neuen Blick auf eine der bekanntesten Städte der Welt. 

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Wer zum ersten Mal in Venedig ist, will natürlich die Klassiker sehen: Brücken, Gassen, Wasser, Fassaden, dieses berühmte Venedig-Gefühl. Verstehe ich komplett. Aber beim vierten Mal wollte ich nicht mehr nur durch die Stadt laufen und möglichst hübsche Eindrücke sammeln. Ich wollte sie anders erleben. Tiefer. Wahrhaftiger. Mit weniger Schein.

Mit dem Nachtzug von Stuttgart nach Venedig

Diesmal sind wir mit dem Nachtzug von Stuttgart nach Venedig gefahren. Allein das hat der Reise sofort einen anderen Takt gegeben. Weniger hektisch, weniger funktional, irgendwie entschleunigter.

Wenn Du diese Strecke auch machen möchtest, verlinke ich Dir hier die passende Buchungsmöglichkeit für den Nachtzug nach Venedig.

Unsere Kabine war noch eine ältere Variante, also ohne eigenes Bad. Es gab ein kleines Waschbecken, einen Spiegel und die typischen Schlafplätze. Die Betten sind schon beengt, das muss man ehrlich sagen. Aber wenn man bedenkt, dass man dort ohnehin vor allem schlafen soll, ist das machbar.

Zumindest in der Theorie.

In der Praxis fand ich die Matratze leider ziemlich hart und habe nicht besonders gut geschlafen. Michael dagegen war am nächsten Morgen erstaunlich fit. Manche Menschen schlafen einfach überall gut. Ich gehöre definitiv nicht dazu.

Ein Tipp, den ich Dir wirklich mitgeben kann: Mach die Jalousie während der Fahrt runter. Der Zug hält nachts immer wieder an verschiedenen Bahnhöfen, und dieses grelle Licht von draußen hat mich jedes Mal geweckt. Das war für mich fast störender als die harte Matratze.

Was ich beim nächsten Mal noch konsequenter nutzen würde, ist deshalb eine Schlafmaske. [Affiliate-Link]

Und trotzdem hatte diese Anreise etwas Besonderes. Als morgens langsam die Dämmerung kam und ich aus dem Fenster geschaut habe, war das fast meditativ. Dieses ruhige Fahren, das erste Licht, die Landschaft, die noch halb schläft – wunderschön. 

Im Zug gab es morgens auch ein kleines Frühstück, das wir am Abend zuvor nach unseren Vorlieben bestellt hatten. Unkompliziert, praktisch und genau richtig für den Start in den Tag. 

Ein kleiner Pack-Tipp, der im Nachtzug Gold wert ist

Früh kamen wir in Venedig Mestre an. Und an dieser Stelle direkt ein ganz praktischer Tipp: Pack so, dass Du morgens alles griffbereit hast.

Wenn Du auf engem Raum unterwegs bist, ist logisches Packen kein nettes Extra, sondern einfach sinnvoll. Das gilt übrigens auch für die Hinfahrt. Gerade im Nachtzug macht es einen riesigen Unterschied, ob Du morgens (oder abends) alles suchen musst oder sofort weißt, wo was ist.

Koffer-Organizer oder kleine Packing Cubes  [Affiliate-Link] können da wirklich helfen.

Unser Hotel in Mestre: praktisch, unkompliziert, gut gelegen

Übernachtet haben wir wieder im a&o Hotel in Mestre. Für uns ist das einfach eine pragmatische Lösung. Gut gelegen, preiswert und unkompliziert und perfekt, wenn man tagsüber Venedig erleben möchte, ohne direkt mitten im touristischen Kern zu schlafen.

Wenn Du für Deinen Trip eine praktische Unterkunft in Mestre suchst, kannst Du hier schauen:

Wir haben dort also erst einmal die Koffer hingebracht und sind dann direkt wieder zurück zum Bahnhof, um nach Venedig rüberzufahren. Eine Fahrt kostet 1,50 Euro pro Person, also gerade einmal 3 Euro für Hin- und Rückfahrt. Günstiger und entspannter kann man kaum in einen Venedig-Tag starten. Und ein weiterer Vorteil im März: Die Eintrittsgebühr für Venedig greift im März auch noch nicht.

Warum ich Venedig diesmal anders sehen wollte

Wie gesagt: Es war mein vierter Besuch in Venedig. Und genau deshalb wollte ich diesmal nicht einfach wieder nur die bekannten Wege laufen. Ich wollte Ecken sehen, die ich bisher noch nicht kannte. Ich wollte besser verstehen, wie diese Stadt eigentlich tickt.

Entsprechend habe ich mich auch anders vorbereitet als sonst.

Nicht mit einer typischen Liste von Sehenswürdigkeiten, sondern mit einem Buch, das meinen Blick auf Venedig wirklich verändert hat: „Gebrauchsanweisung für Venedig“ von Dorette Deutsch [Affiliate-Link]. Leider ist es kaum noch zu bekommen. Wer es aber liest, wird diese Stadt mit ganz anderen Augen sehen.

Wenn Du Dich vor Deiner nächsten Venedig-Reise ebenfalls mit Geschichten und Hintergründen einstimmen möchtest, verlinke ich Dir hier noch eine passende kostenlose Hör-Alternative über  Audible[Affiliate-Link] Eine wirklich hörenswerte Ergänzung.

Denn genau das war mein Anspruch bei dieser Reise: Ich wollte nicht nur irgendwo ankommen, um ein schönes Bild mitzunehmen. Ich wollte verstehen, wo ich bin, wie Venedig funktioniert, was diese Stadt prägt und welche Geschichten und Rhythmen sich unter ihrer schönen Oberfläche verbergen.

(Im zweiten Teil von „Venedig im März“ stelle ich dir weitere spannende Persönlichkeiten rund um Venedig vor – für mich eine der schönsten Entdeckungen dieser Reise. Selbst jetzt, wo ich längst nicht mehr dort bin, folge ich einigen von ihnen noch immer und bin begeistert, was ich durch sie weiterhin über Venedig erfahre.)

Venedig am Rand entlang: das echte Leben statt nur Kulisse

Wir sind also ganz bewusst losgelaufen – möglichst am Außenrand entlang, so weit das eben ging. Vorbei an der Universität, vorbei an Orten, an denen man sofort merkt, dass Venedig eben nicht nur schön aussieht, sondern jeden Tag auch funktionieren muss.

Müllabfuhr. Post. Warenlieferungen. Menschen, die schon früh anfangen zu arbeiten, damit diese Stadt überhaupt versorgt wird.

Und genau da verändert sich der Blick.

Wenn Du schon einmal in Venedig warst, kennst Du vielleicht auch diese flinken Männer, die Waren von den Booten an Land bringen und sie durch die Stadt transportieren. Früher hat mich das durchaus gestört – vor allem dann, wenn ohnehin schon alles voll war. Doch diesmal war es anders. Denn wenn man einmal versteht, wie Venedig überhaupt am Laufen gehalten wird, sieht man diese Abläufe plötzlich mit ganz anderen Augen.

Dann sind sie nicht mehr bloß Teil des Trubels, sondern Teil dessen, was diese Stadt jeden Tag möglich macht.

Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen “Venedig anschauen” und “Venedig verstehen”.

Trattoria Marisa: ein Ort, der für mich zu diesem anderen Venedig gehört

Dann standen wir vor den Türen von Marisa

Ohne den Podcast und meine Lektüre hätte ich dieses kleine Lokal vermutlich übersehen. Dabei ist Marisa in Venedig weit mehr als nur ein Restaurantname. In meinem Buch wird ihre Küche als ein Ort beschrieben, an dem man spürt, wie elementar Kochen eigentlich ist: Menschen mit Essen zu versorgen, Tag für Tag, ohne großes Theater, aber mit Haltung, Erfahrung und einer ganz eigenen Selbstverständlichkeit.

Genau das hat mich daran so fasziniert. Nicht dieses geschniegelt Inszenierte, das man in Venedig an manchen Stellen findet, sondern ein Ort, der mit echtem venezianischem Alltag verbunden ist. 

Besonders hängen geblieben ist mir auch die Geschichte rund um die Regata Storica: Wenn die Boote an Marisas Haus in Cannaregio vorbeifuhren, sollen die Ruderer dort zu ihren Ehren Halt gemacht und mit den Rudern auf den Bootsboden geschlagen haben – wie ein Gruß, fast wie eine Verbeugung. Spätestens da versteht man, dass Marisa für viele nicht einfach nur eine Wirtin war, sondern ein Stück Venedig.

Selbst ein kleiner (wichtiger) Rezept-Hinweis von ihr findet man im Buch [Affiliate-Link] „Gebrauchsanweisung für Venedig“ 

(Überhaupt möchte ich dieses Buch an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich empfehlen. Es erzählt auf eine unglaublich authentische Weise vom echten Leben in Venedig und führt zu Orten, Geschichten und Perspektiven, die man als Besucher sonst vermutlich nie entdecken würde. Umso bemerkenswerter ist das, wenn man bedenkt, dass das Buch ursprünglich bereits 2003 erschienen ist und 2009 noch einmal als überarbeitete Neuauflage veröffentlicht wurde.)

Genau so wollte ich diese Stadt diesmal erleben: nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern Orte finden, an denen Geschichte, Alltag und Atmosphäre zusammenkommen.

Danach sind wir viel durch Cannaregio gelaufen, vorbei an Gemüse- und Fischhändlern, bis zur Porta del Ghetto. Den Ghetto-Bereich selbst haben wir an diesem Tag nicht mehr besucht, weil wir bis dahin schon etliche Kilometer in den Beinen hatten und langsam hungrig wurden.

Also liefen wir in diesem ruhigeren Viertel wieder zurück Richtung Bahnhof – und natürlich kamen wir noch einmal an der Trattoria Marisa vorbei. Eigentlich wussten wir schon, dass es schwierig werden würde. Das Restaurant ist winzig, und aus dem Buch wusste ich bereits, dass man sich dort (zumindest früher) einen Stammplatz “erarbeiten” musste. 

Wir haben es trotzdem versucht. Die Antwort kam kurz, knapp und ohne Umschweife:

„Avete prenotato? No? No!“

Das war’s. Nicht, dass wir Italienisch könnten – aber das haben wir verstanden.

Ich musste fast lachen. Natürlich war das schade. Aber irgendwie war es auch konsequent. Und wenn ich ehrlich bin, gehört genau das zu solchen Reisen dazu. Nicht alles klappt. Manchmal steht man einfach vor einer Tür und merkt: Für manche Orte reicht guter Wille allein nicht aus.

Zurück aufs Festland – und Pizza für Michael

Auf dem Rückweg ins Hotel sind wir bei Da Michele eingekehrt – nur fünf Minuten vom Hotel entfernt – sehr zu Michaels Freude. Machen wir uns nichts vor: In Venedig dominiert oft Fisch die Speisekarten, und Michael hat damit seine liebe Not.

Da war dieser Stopp einfach genau das Richtige.

Wir haben dort wirklich gut gegessen. Zur Vorspeise gab es einen Teller zum Teilen, danach hatte ich Hähnchen mit Gemüse, während Michael mit seiner Pizza mehr als zufrieden war: Fior-di-Latte-Mozzarella, Mortadella, Burrata und Pistazienpesto.

Danach ging es zurück ins Hotel – kurz ausruhen, durchatmen und später noch in die Rooftop-Bar um die Ecke. Dort haben wir Cocktails getrunken und wurden beim Bezahlen noch ermuntert, uns auch die eigentliche Rooftop-Bar ganz oben auf dem Dach anzusehen – also den Bereich, auf dem bei wärmeren Temperaturen deutlich mehr los ist.

Im März war es dort oben allerdings noch zu frisch, und das Wetter zu unbeständig. Trotzdem konnte man sofort erahnen, dass dieser Ort im Sommer noch einmal eine ganz andere Wirkung entfaltet. Vielleicht erleben wir das irgendwann auch noch.

Und während wir an diesem Abend im Bett lagen und den Tag Revue passieren ließen, war eigentlich schon klar: Der nächste Tag würde uns noch tiefer in dieses andere, echte Venedig führen – abseits der üblichen Touristenpfade.

P.S.: Und ja: Ich habe Michael auf dieser Reise oft Passagen aus dem Buch vorgelesen. Ob er es hören wollte oder nicht.

Zu diesem Beitrag gehört auch meine Google-Maps-Liste mit allen relevanten Stopps unserer Venedigreisen.
Ideal, wenn Du nicht lange suchen möchtest, sondern unsere Route, Restaurants und ausgewählten Orte direkt griffbereit haben willst.